Datenschutz  Impressum  Über Uns  Sitemap  Suche 

Vier junge Darmstädter gewinnen hessischen Regionalentscheid des Wettbewerbs „Formel 1 in der Schule“

09 Mai 2017 Von: Echo, Lily Kriemann

Foto: Andreas Kelm

DARMSTADT - Mit 16 Jahren in einem eigenverantwortlichen Team als Konstruktionsingenieur oder Ressourcenmanager zu agieren, um in Wettbewerben mit superschnellem Modellwagen zu überzeugen, hört sich nicht nur anspruchsvoll an. Vier Schüler der E-Phase der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule haben sich dieses Jahr der Herausforderung gestellt und den Sieg bei der Hessenmeisterschaft der „Formel 1 in der Schule“ eingefahren.

Es sind vier Jungen zwischen 16 und 17 Jahren, mit stylischen Turnschuhen und flachem Laptop unterm Arm. Ihre professionell anmutende Website hat bereits einen prägenden Eindruck von der Professionalität ihrer Arbeit hinterlassen, obwohl sie „auf die Website gerade weniger Priorität legen“. Klingt fast schon zu lässig.

20 Zentimeter lang, 130 km/h schnell

Als „Phantomteam“ wollen Vincent Keller (Mühltal), Thorben Linker (Zwingenberg), Marwin Wend (Reinheim) und Johannes Ohrem (Jugenheim) mit einem Rennwagen gewinnen, „den man zwar nicht wirklich sehen kann, der aber trotzdem da ist“. Der 20 Zentimeter lange Bolide jagt auf einer 20 Meter langen Bahn mithilfe von Gaspatronen entlang und erreicht Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h. Bei der Bestzeit des „Phantomteams“ von 1,102 Sekunden wirkt der Wagen tatsächlich kurz unsichtbar, wie alle Teammitglieder mit leuchtenden Augen bestätigen.

Die Gestaltung des Phantom-Daseins des Wagens braucht jedoch umso mehr wirkliche Arbeit. „Da leidet auch mal der Schlaf“, bemerkt Vincent. Um Chancen bei den internationalen Wettbewerben der Senior-Klasse zu haben, müssen die Fertigungsqualität des Autos, Sponsorenkontakt, Messestand, Portfolio und Präsentation auf den Punkt stimmen. Dabei achtet die Jury auch auf das Zeitmanagement und den Business-Plan der Schüler. „Die Ergebnisse sind es wert – es soll professionell aussehen und am Ende ist man dann sehr stolz auf seine Leistung“, berichtet Johannes Ohrem, veranwortlich für IT und Medien. Die Präsentation an ihrem Messestand haben sie zuletzt mit drei Tablets mit interaktiver Software, einem Fernseher mit Touchpad, Beamer und Gummibärchen überzeugt.

Das umfassende Fachwissen hat sich das „Phantomteam“ zusammen mit Sponsoren und Business-Partnern angeeignet. Die 30 Einzelteile des Wagens wurden mit der Hilfe von Datron und Prostep konstuiert und gefertigt, der Bau des Messestands wird von DGM unterstützt. Zum Teil stellen die Firmen auch Bedingungen für die Zusammenarbeit und so „lernt man auch viel über Verhandlungen“, erklärt von Thorben. Für Fahrzeug-Tests und Unterstützung haben die vier auch immer wieder Termine in verschiedenen Universitäten der Rhein-Main-Region.

Ein anspruchsvolles Hobby, das nicht alle durchhalten. Zwei von den ursprünglichen sechs Teammitgliedern mussten aus Zeitgründen wieder aussteigen. Denn obwohl der Wettbewerb „Formel-1-in-der-Schule“ heißt, findet die meiste Arbeit zuhause oder unterwegs statt. Zwischen Karate und Hausaufgaben schreibt Ressourcenmanager Thorben E-Mails mit Sponsoren. Teammanager Vincent konstruiert mit professioneller Software den Boliden zuhause am PC, koordiniert nebenher die Arbeit seiner Kollegen. Nur die Konstruktion des Frontspoilers habe bereits zehn Stunden gedauert, erklärt der erfahrene 16-Jährige.

Doch die vier sind nicht allein. Fachliche Unterstützung bekommen sie in der Schule von ihrem Physiklehrer, und auch der Klassenlehrer ist nachsichtig, wenn mal ein Termin in die Unterrichtszeit fällt. Zur Deutschen Meisterschaft am Wochenende bei Audi in Neckarsulm fahren auch ein paar Eltern mit, was jedoch nicht die Regel ist.