Team RennStallNeusäß
Realschullehrer Hermann Hammerl von der Staatlichen Realschule Neusäß
Ich finde den Wettbewerb Formel 1 in der Schule großartig. So muss Schule meiner Meinung nach sein. Es ist ein Unterschied, ob man etwas immer nur theoretisch erörtert bzw. ein Modell zweidimensional auf dem PC-Monitor betrachtet oder ob man es auch wirklich als dreidimensionales Objekt in die Hand nehmen kann. Solid Edge ist ein tolles Programm und gefällt mir weit besser als unser bisher verwendetes CAD-Programm. In der Schule wird ausschließlich Solid Edge benutzt. Das Team (Zehnt-Klässler) hat mit der Software bereits zwei Jahre im Fach „Technisches Zeichnen“ gearbeitet. Der Wettbewerb war für mich sehr anstrengend, weil ich sehr viel eigenes Engagement, vor allem für die Organisation einer Fräsmöglichkeit aufbringen musste. Um die fehlenden Sponsoren auszugleichen habe ich die Kosten sogar teilweise aus eigener Tasche bezahlt weil ich diesmal unbedingt dabei sein wollte. Die Beschaffung von Finanzmitteln stellte für unser Team die größten Probleme dar. Es hat aber dennoch sehr viel Spaß gemacht. Wir wollten schon 2006/07 teilnehmen und sind sehr froh, dass es diesmal geklappt hat, obwohl es kurz vor der Meisterschaft Probleme mit den Achsen gegeben hat. Diese mussten kurzfristig noch einmal neu konstruiert werden. Es hätte eigentlich auch ein reines Mädchen-Team der Schule geben können, aber wegen der kurzfristigen Terminänderung des Wettbewerbs haben wir das auf die Schnelle nicht mehr aufstellen können. Ursprünglich hatte ich geplant, mit allen Schülern im Unterricht „Technisches Zeichnen“ ein Auto zu konstruieren und anschließend mit den besten und interessiertesten Schülern Teams zu bilden. Hier kam leider der Termindruck dazwischen. Meiner Erfahrung nach gib es keinen Grund, Mädchen in Bezug auf die Konstruktion eines Modells weniger zuzutrauen als Jungen. Mädchen sind häufig sogar die besseren Konstrukteure, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Akkuratheit. Leider besucht der Großteil der weiblichen Schülerschaft mit jährlich steigender Tendenz eher den betriebswirtschaftlichen oder den sprachlichen Zweig der Schule. Dieser Entwicklung sollte jedoch dringend entgegen gewirkt werden. Grundsätzlich besteht von den Voraussetzungen her zwischen den Geschlechtern kein Unterschied.
Konstrukteure und TeamleiterDieses Team stellte sich als eine sehr enthusiastische und vom Wettbewerb sehr begeisterte Gruppe heraus. Die beiden Konstrukteure setzen Solid Edge auch privat als Hobby ein und hatten daher sofort Lust, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Die Konstrukteure haben gern mit Solid Edge gearbeitet. Sie brauchten allerdings einige Zeit, um das Programm so bedienen zu können, dass das Ergebnis ihren Vorstellungen des fertigen Rennwagens gerecht wurde. Die Frage, ob sie auf Grund ihres zweijährigen technischen Zeichen-Unterrichts mit Solid Edge gegenüber den anderen Teams, die die Software bis zum Zeitpunkt des Wettbewerbs nicht verwendeten einen Vorteil hätten, wurde von den Konstrukteuren bejaht. Ihrer Ansicht nach ist eine Teilnahme ohne Solid Edge-Vorkenntnisse kaum zu schaffen, weil es doch einige Zeit dauert bis man die Software ausreichend beherrscht. Stolz präsentierte diese Gruppe ihr fertiges Modell des Rennwagens. Wichtig waren ihnen vor allem die Stromlinienform und die fließenden Linien, wodurch sich das Modell deutlich von einem Großteil der Konkurrenzmodelle unterschied, die häufig eher einfache Formen aufwiesen. Das Auto sollte zum einen windschnittig und zum anderen ansehnlich und originell sein. Die Schüler ließen sich für den oberen Part des Autos von der Form eines Delphins inspirieren. Das Team betonte besonders, dass alle Mitglieder trotz der klaren Arbeitsteilung an der Gestaltung des Wagens in irgendeiner Weise beteiligt waren. Sie lobten Formel 1 in der Schule, da sie dank dieses Wettbewerbs erstmals ein Modell ganz in Eigenregie herstellen konnten. Der Lehrer agierte eher im Hintergrund als Berater und griff selbst nicht in den Arbeitsprozess ein. Die Durchführung hat dem Team sehr viel Spaß gemacht, so dass es auch zu Mehrarbeit am Wochenende und in den Ferien bereit war – etwas, was man hinsichtlich des regulären Schulstoffs von Schülern eher selten hört. Auch sahen sie dieses Projekt als eine ausgezeichnete Möglichkeit an, sich auf das Berufsleben vorzubereiten. Unabhängig von der jeweiligen Aufgabe innerhalb des Teams konnten alle wichtige Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel kostete das Werben von Sponsoren sehr viel Überwindung, so dass mancher über sich selbst hinauswachsen musste. Zwar wurde das Team RennStallNeusäß „nur“ Süddeutscher Meister – aber ihr Engagement wurde mit dem von der Autostadt gestifteten „Excellence-Preis" für das beste Fahrzeug (Konstruktion und Fertigungsqualität) belohnt.
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